Shanghai walkabouts – Slaughterhouse

Nachdem dieses Wochenende wirklich großartiges Wetter herrschte gibt’s mal wieder ein paar Impressionen aus der Stadt 🙂 Diesmal hat es mich zum alten Schlachthaus verschlagen. In diesem Gebäude wurden noch bis 2002 Rinder zum Verzehr in Shanghai geschlachtet. Erbaut wurde es 1933 im Stile des Art Deco und wurde dann mehrfach umfunktioniert. Ein faszinierendes Labyrinth an Brücken, Rampen, innen und außen liegenden Treppen aus massivem, annähernd hundert Jahre altem Beton gibt dem Ganzen einen Rahmen der einen unwillkürlich an Filme wie Dune, Bladerunner oder an Werke von M.C. Escher (nein, nicht Usher … ) erinnert. Seit kurzem ist es nun zu einer Art Shopping Mall / Lifestyle location umgebaut worden. Das schöne hier ist jedoch, dass der morbiden Charm der Betonkonstruktion nie verloren gegangen ist. Bis zum heutigen Tage existieren die Räume und Rampen über die das Vieh seinem Schicksal entgegen getrieben wurde, doch jene Räume welche einst dazu dienten den Rindern noch etwas Entspannung und ein letztes Mahl zu gönnen sind heute zu Shops, Cafés und Restaurants umgestaltet worden, beheimaten Büros und Designstudios oder auch den „Ferraris Owners Club of China“, die Rampen und Treppen dienen mittlerweile als Hintergrund für das nächste Fotoshooting und als Catwalk für Shanghais Oberschicht.

Das wirklich skurrile an dem Ganzen ist allerdings die Umgebung in welchem das Gebäude steht. Diese ist nämlich von extremen Kontrasten geprägt. Sehr viel alte Bebauung, zum Teil wird bereits abgerissen, zum Teil kämpfen wohl noch Investoren mit Anwohnern die ihre Häuser nicht verkaufen möchten. Die Wände der Häuser sind beklebt mit Versprechen von einem besseren Leben in einer neuer Wohnung während man ihnen an anderer Stelle schon auch mal einfach das Telefon- oder Stromkabel kappt. Dazwischen kleine Läden und Häuschen in welchen die Bewohner noch recht traditionell zusammen leben. Die Wäsche hängt, einträchtig zusammen mit dem frisch gerupften Hähnchen oder der Schweinekeule zum Trocknen draußen, die älteren treffen sich zum Tee oder Kartenspielen. Es scheint fast, als wäre hier die Zeit ein bisschen stehengeblieben.

Ein Gedanke zu “Shanghai walkabouts – Slaughterhouse

  1. Das ist ein toller Bericht, wirklich sehr spannend und sehr schön geschrieben. Leider habe ich dich auf den Fotos nicht entdeckt. Aber wenn ich da bin, bist du auf nicht hinter den Fotos 😁

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