Neuseeland Part 4

Tag 17: Everything glows!

Nach drei Tagen wird es dann doch langsam aber sicher Zeit von Queenstown Abschied zu nehmen. Wir wären gerne noch länger hier geblieben … Die Stadt, die Leute, der Campingplatz und die ganzen Unternehmungsmöglichkeiten hier würden uns wahrscheinlich noch auf Tage wenn nicht Wochen beschäftigen. Aber wir wollten auch noch den berühmten Milford Sound sehen und ein Blick in die Karte ergab relativ schnell, dass uns das gut drei Tage kosten wird. Also wieder ab auf die Straße! Ziel für heute? Te Anau am gleichnamigen See. Aber bevor wir Queenstown endgültig verlassen gönnen wir uns noch ein Eis im Mrs. Ferg (Super Schokoladeneis!) und drehen eine Runde durch den Stadtpark.

Hier sieht man auch mal einen typischen Bowling Vereine die sich in Neuseeland großer Beliebtheit erfreuen. Es gibt quasi überall Bowling Plätze. Ein weiterer Abstecher führt uns in einen örtlichen Baumarkt. Die Halterung unseres Esstischs in Baymax hatte sich gelöst und ich brauchte eine dickere Schraube um sie wieder zu fixieren. Einmal mehr großartige neuseeländische Freundlichkeit, sofort einen Mitarbeiter gefunden der mir kompetent geholfen hat. Inklusive „Hmm … Guck mal, nimm doch lieber die, die tut’s auch und ist deutlich billiger!“ Gegen Mittag sind wir dann endlich auf dem Weg den Highway 6 an den „Remarkables“ entlang, über einen Abschnitt namens „Devils Staircase“ Richtung Süden. Die Remarkables sind ein beliebtes Wintersportgebiet und dienten in Herr der Ringe mehrfach als Kulisse. Die Flucht der Rohal vorbei an einem kleinen Bergsee, der anschließende Kampf mit den Wargreitern und auch die Szene nach den Minen von Moria wurde hier gedreht. Um an die Drehorte zu kommen wäre aber meist eine mehrstündige Wanderung erforderlich und das ist Zeit die wir heute leider nicht erübrigen können. Am Ende von Lake Wakatipu werden die hohen Berge um uns herum langsam flacher, das Tal wird breiter und vor uns erstreckt sich eine riesige, hügelige Grasebene. Viehzucht prägt die Landschaft ihren großen, grünen Weiden die im Süden in ein Naturschutzgebiet zum Erhalt des ursprünglichen Buschlands übergehen.

Für eines dieser Bilder hab ich einen ordentlichen Elektroschock bekommen … Das hier als Nutzvieh gehaltene Rotwild erfordert höhere und scheinbar auch stärkere Elektrozäune wie ich unfreiwillig feststellen musste … Gegen Abend erreichen wir Te Anau. Der Te Anau Lake ist der Fläche nach der zweitgrößte See Neuseelands und nach Volumen der größte Süßwassersee in ganz Australiens und Ozeaniens. Es hat darüberhinaus Trinkwasserqualität. Wir quartieren uns in einem Campingplatz nahe des Ufers ein und buchen den Nachttrip zu einer Glowworm Höhle. Nach einem schnellen Abendessen müssen wir auch schon wieder los, das Boot holt uns um 20 Uhr ab.

Wir haben mal wieder Glück mit dem Wetter und bekommen einen wunderschönen Sonnenuntergang! Das Boot bringt uns in ca einer halben Stunde Fahrt quer über den See zum Eingang einer Höhle. Leider darf man in der Höhle nicht fotografieren weshalb ich euch nicht zeigen kann wie magisch dieser Ort ist … Wir werden in einer kleinen Gruppe von 6 Leute in die Höhle geführt welche an sich schon echt sehenswert ist. Man läuft auf Gittern über einem reisenden Bach der sich seinen Weg durch das Gestein bahnt. Laut einer Karte kann man über diese Höhle theoretisch bis tief in den Fjordland National Park vordringen, sie hat einen Ausgang am anderen Ende welcher einen zu einer Ebene im nächsten Tal führt. So weit werden wir allerdings nicht kommen. Hinter einem Wasserfall liegt wird der Bach so breit und tief, dass er fast die gesamte Höhle ausfüllt. Hier besteigen wir ein kleines Boot und werden in absoluter Dunkelheit an Seilen über diesen unterirdischen See gezogen. Langsam tauchen kleine blau leuchtende Punkte aus der Dunkelheit auf, welche in kleinen Gruppen an der Decke hängen und von dem hier fast stillen Wasser reflektiert werden. Man fühlt sich wie in einer magischen Höhle einer Fantasy Geschichte. Ich habe auf YouTube folgendes Video gefunden das euch ein bisschen veranschaulicht, wie es dort ausgesehen hat: https://www.youtube.com/watch?v=JC41M7RPSec Nachdem wir die Höhle wieder verlassen haben warten wir in einem kleinen Museum darauf bis die anderen Gruppen auch fertig sind und uns das Boot wieder zurück nach Te Anau bringt. An Bord unterhalten uns mit einem der Guides welcher erzählt, dass im Moment gute Chancen bestünden eine Aurora zu sehen! Die Sonnenaktivität sei hoch und Te Anau liegt südlich genug um dieses Phänomen beobachten zu können. Trotz mittlerweile doch recht frostigen Temperature durch den Fahrtwind bleiben wir auf dem Außendeck, dieses Phänomen wollen wir unter keinen Umständen verpassen! Doch leider zeigte sich auf der Fahrt nichts mehr und wir machen uns auf den Rückweg am See entlang zu unserem Campingplatz. Wir waren schon fast angekommen als es plötzlich über dem See heller wurde … Ein schwaches Leuchten am Horizont aber dort gibt es doch gar keine Stadt mehr? Es dauerte einen Moment bis wir die Struktur erkannten, es war tatsächlich eine Aurora! Gut eine halbe Stunde blieben wir am See bis sie wieder verschwand.

_DSF5077

Tag 18: Auf zum Milford Sound!

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zum Milford Sound. Wir haben bereits vor ein paar Tagen einen Platz auf einem Schiff für eine Rundfahrt gebucht und müssen dementsprechend pünktlich zur Abfahrt um 15 Uhr am Pier sein. Dummerweise gilt die Strecke von Te Anau zu Milford Sound als eine der schönsten Straßen in ganz Neuseeland. Noch blöder ist, dass dieser Ruf auch verdient ist … Mir dämmert, dass 15 Uhr vielleicht keine so gute Idee war … Wir kommen an schier endlosen Grassteppen, wilden Bächen tiefen Schluchten und gigantischen Felswänden vorbei. Fast jede Kurve hält eine wunderschöne neue Aussicht bereit und schlimmer noch , es gibt eine Vielzahl an kleinen und größeren Walks auf der Strecke die wir eigentlich gerne alle machen würden. Wir versuchen uns auf die interessantesten zu konzentrieren und zumindest ein Teil der Mini-Wanderungen zu machen.

Wir stoßen tiefer und tiefer in das Gebirge der Südlichen Alpen vor. Hier ist der Lebensraum der Keas, Neuseelands Bergpapageien. An so ziemlich jedem Aussichtspunkt wird man vor ihnen gewarnt, denn diese vorwitzigen Kerlchen sind wohl nicht ganz ungefährlich. Sie gelten als sehr intelligent und verspielt und extrem geschickt. Selbst geschlossene Rucksäcke oder Mülltonnen stellen für sie keine Herausforderung dar und sie sind doch so neugierig! Leider scheint es ihnen etwas an Feingefühl zu mangeln und so mancher Gegenstand der prüfend mit dem Schnabel genommen wird hält dieser Untersuchung nicht stand … Auf die Abschussliste Neuseeländischer Farmer gelangten sie, da sie Schafe angreifen, deren Haut aufreißen und das darunterliegende Fett fressen. Mittlerweile stehen sie auf der Liste der gefährdeten Arten und dürfen nicht mehr gejagt werden. Wir treffen leider (oder vielleicht eher glücklicherweise) keine an. Die Berge werden zunehmend schroffer und wie ihr auf den Bildern sehen könnt folgen wir einem von gewaltige Felswänden eingeschlossenes Tal. Dieses endet mehr oder minder abrupt vor einer eben solchen Felswand. Ein einspuriger Tunnel führt durch eine massive Wand aus Granit. Erst 1953 fertiggestellt führt er über 1 km weit durch den Fels hinein in den Milford Sound. Eine Ampel stellt sicher, dass er immer nur in eine Richtung befahren wird. Ah und er ist unverkleidet, bis auf ein paar Stellen wo so viel Wasser eintritt, dass es mit ein paar Blechen zur Seite hin abgeleitet wird. Wir schaffen es rechtzeitig zum Check-In obwohl wir hier nochmal einen kleinen Walk mitnehmen. Allerdings musste ich dafür die ein oder anderen Aussicht links liegen lassen … Aber jetzt zu unserer Rundfahrt: Darf ich vorstellen? Die Milford Wanderer und unsere Kajüte 🙂

Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung und Vorstellung der Crew beziehen wir unsere Kajüte und das Schiff legt ab. Wir haben eine Rundfahrt mit Übernachtung gebucht bei der wir am Abend das letzte Stück des bekannten Milford Tracks wandern, im Fjord übernachten und am nächsten Morgen raus aufs Meer fahren werden. Erster Punkt: Wandern auf dem Milford Track. Wir werden an einem Punkt abgesetzt der nicht umsonst „Sandfly Point“ heißt. Zum Glück wirkt das Insektenspray … Wir werden von einem gebürtigen Neuseeländer für gut eine Stunde den Milford Track entlang geführt und erfahren viel über die Geschichte von Neuseeland, die Geschichte vom Milford Sound und auch die ein oder andere private Geschichte über das Leben in Neuseeland. Ein echt witziger und interessanter Ausflug 🙂

Er erzählt zum Beispiel davon, dass die ersten Segler die Neuseeland entdeckten nachts lieber wieder aufs Meer hinaus gefahren sind, da die ganzen Vögel so viel Krach gemacht haben, dass man quasi nicht schlafen konnte. Wir sprechen auch über das kontrovers Diskutierte Thema 1080. 1080 ist ein hoch wirksames Gift das zur Bekämpfung der eingeschleppten Säugetiere eingesetzt wird um die heimischen Vogelarten zu schützen. Seiner Aussage nach helfen diese Aktionen wirklich. Auf der Farm seinen Opas haben sie seit dem wesentlich weniger Possums und sehen dafür tatsächlich wilde Kiwis! Doch auch die Bäume haben ihre Probleme. Es herrscht quasi ein „Krieg“ um Licht zwischen … ich meine es waren Buchen …  und den deutlich langsamer wachsenden Baumriesen. Die großen Baumriesen leben zwar länger und werden deutlich größer, die Buche hat allerdings einen Trick. Ihre Sprösslinge wachsen direkt auf einen Meter Höhe und warten dann bis sie Sonne bekommen – die Samen der Baumriesen warten bis sie Sonne bekommen bevor sie überhaupt anfangen zu wachsen. Diesen Vorsprung der Buche holen sie nicht mehr auf und so werden sie immer weiter von der Buche verdrängt. Eine weitere Geschichte handelt von dem kauzigen Einsiedler welcher einst alleine im Milford Sound lebte und Besucher am Ende des Milford Tracks mit seinem Ruderboot abholte. Eine Shotgun diente als Signal um ihn zu rufen. Als er eines Tages heiratete brachte ihn seine Frau schließlich dazu hier das erste Gasthaus zu eröffnen. Zurück auf dem Schiff schließen wir den Tag mit einem leckeren Steak (mal wieder :D) und einem wunderschönen Sonnenuntergang im Fjord.

_DSF5289

Während es draußen endgültig dunkel wird und unser Schiff seinen nächtlichen Ankerpunkt auf halber Höhe des Fjords ansteuert sitzen wir gemütlich im Aufenthaltsbereich und spielen ein paar der zur Verfügung gestellten Brett- und Kartenspiele. Ein echt entspannter Abend 🙂

Tag 19: Raus aufs Meer, rauf auf den Berg!

Ich hatte es am Abend bereits bedauert, dass wir bei dem tollen Licht nicht noch weiter raus gefahren sind und sollte leider recht behalten … Am Morgen hingen dicke Wolken tief im Fjord so dass man gerade mal das untere drittel der massiven Felswände sehen konnte … Das zieht sich irgendwie durch unseren Aufenthalt hier in Neuseeland, wir hatten nur äußerst selten einen schönen Sonnenaufgang. Meist verzogen sich die Wolken erst im Laufe des Vormittags. Während wir noch lecker Frühstücken macht sich unser Schiff auf den Weg hinaus aufs offene Meer. Den Weg zurück verbringen wir auf Deck. Auch wenn sie von den Wolken versteckt werden so sind die Felswände die neben dem Schiff um die 1200 Meter fast senkrecht aus dem Wasser aufsteigen dennoch faszinierend! Als wir den um die 150 Meter hohen Stirling Wasserfall ansteuern erscheint dieser geradezu winzig im Vergleich zu den ihn umgebenden Klippen. Wir werden dabei übrigens von unserem größeren Schwesterschiff, der Marina begleitet.

Wie ihr sehen könnt der Anblick selbst mit Wolken beeindruckend 🙂 Allerdings seht ihr hier wie das am Abend hätte aussehen können …

thumb-1920-507584
Entnommen von https://wall.alphacoders.com/

Dafür hätten wir am Abend vermutlich die Delphine verpasst die sich kurz darauf zu unserem Schiff gesellen! Sie schwimmen in unserer Bugwelle, springen und tollen herum und es gelingt mir diesmal tatsächlich ein Foto davon zu schießen! Als sie schließlich das Interesse an uns verlieren schließen sie sich einer Gruppe von Kayaks an die gerade auf den Fjord hinaus paddeln.

Nachdem wir mal wieder am ungünstigsten Ort überhaupt feststellen mussten, dass der Sprit für den Rückweg wahrscheinlich nicht mehr ausreichen wird … sind wir wieder auf dem Weg zurück. Unser Ziel für heute ist es Queenstown zu erreichen, da wir die Strecke ja schon kennen und deswegen weniger Fotostops brauchen werden. Allerdings wollen wir auf halbem Weg von Milford Sound nach Te Anau noch eine kleine Wanderung machen welche uns ca 3-4 Stunden kosten wird. Auf dem Weg zurück machen wir dann doch noch den ein oder anderen Stop an Stellen an welchen ich auf dem Hinweg aus Zeitdruck einfach vorbeifahren musste. Leider ist es zumindest auf der Milford Sound Seite des Gebirges immer noch grau und zugezogen. Die andere Seite jedoch empfängt uns mit wunderschönem Sonnenschein.

Die Tour führt uns auf einen kleinen Gipfel und eröffnet einen super Blick auf die uns umgebende Berglandschaft! Wir mussten anschließend feststellen, dass wir es bedauern nicht mehr Zeit für solche kleinen Wanderung gehabt zu haben.

Auf dem weiteren Weg sammeln wir noch eine Anhalterin ein. Was sie so erzählt ist es ziemlich einfach und günstig Neuseeland so zu bereisen. Ihrer Aussage nach hat sie selten länger als 10 Minuten warten müssen, bis sie jemand mitnimmt und sie bereist die Inseln schon seit gut 6 Monaten. Ich muss gestehen ich finde die Vorstellung 6 Monate oder länger durch Neuseeland zu reisen ist durchaus sehr reizvoll … In Te Anau trennen sich unsere Wege auch schon wieder und wir füllen noch kurz unseren Kühlschrank bevor wir weiterfahren.

Der Tag neigt sich dem Ende zu und als wir endlich Queenstown erreichen ist es bereits Nacht. Zum Glück finden wir noch auf einem der kostenfreien Parkplätzen auf welchen man auch Campen darf einen Platz und fallen etwas erschöpft ins Bett. Unser Urlaub in Neuseeland neigt sich dem Ende zu … Uns bleiben nur noch fünf Tage bis wir in Christchurch den Flieger besteigen müssen.

Ein Gedanke zu “Neuseeland Part 4

Hinterlasse einen Kommentar