Neuseeland Part 5

Tag 20: Zu Grau!

Der erste Punkt auf unsere Liste heute ist die Kawarau Gorge. Die hiesige Hängebrücke ist die weltweit älteste kommerzielle Absprungplattform zum Bungeespringen. Aber deswegen sind wir eigentlich nicht hier sondern weil  hier die Herr der Ringe Szene gedreht wurde bei der die Statuen zweier Könige über den Fluss Anduin wachen. Lasst mich … es ist schön da 😛 Wir folgen dem Fluss noch eine Weile bis Cromwell.

In Cromwell haben wir einen ungeplant längeren Aufenthalt da Baymax Probleme mit der Bremse meldet. Unser nächstes Ziel ist Lindis Valley, einer der höchsten Pässe hier in Neuseeland und da würde ich nur ungern Schwierigkeiten mit der Bremse bekommen. Dementsprechend telefonieren wir mit unserem Vermieter. Der wiederum beschwichtigt und meint das die Warnleuchte für Verschleiß bei diesem Fahrzeug extrem früh angehen würde. So lange es noch nicht quietschen würde wäre alles gut, er würde aber trotzdem mal nachfragen ob eine Werkstatt im Ort Bremsen für dieses Fahrzeug auf Lager hätte. Wir beschließen einen Rundgang durch die Altstadt während wir auf den Rückruf warten.

Nachdem wir nach zwei Stunden immer noch keinen Anruf bekommen haben und unser Vermieter auch nicht erreichbar ist beschließen wir uns auf seine Aussage zu verlassen und einfach weiter zu fahren. Wir machen einem kurzen Stop zum Mittagessen in einem von Buchen bewachsenen Tal. Einem netter kleiner Bach lädt zum Baden ein, wäre es denn nur ein bisschen wärmer … Kurze Zeit später passieren wir die Abzweigung Richtung Wanaka. Es wäre nur ein kurzer Umweg und ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass ich nicht kurz darüber nachgedacht hätte noch einen Anlauf für das Bäumchen zu unternehmen, aber bei der Wetterlage rentierte sich das einfach nicht … dick und grau hängen die Wolken in den Bergen. Langsam aber sicher erreichen wir Lindis Valley. Die Straße nach Lindis Valley ist weniger fordernd als gedacht. Anstelle von den erwarteten steilen Abhänge oder tiefe Schluchten reihen sich lediglich ein paar sanfte, fast schon rund gelutschte Hügel um uns auf. Der einzige wirkliche Hinweis auf die Höhe ist eigentlich das Fehlen von Vegetation.

Wie ihr sehen könnt war der Himmel immer noch ziemlich grau in grau … Ich hätte gerne ein paar Sonnenstrahlen für meine Bilder gehabt aber da sollte ich kein Glück haben und so verweilen wir nicht all zu lange auf dem Pass und fahren weiter über Twizel – hier wurden einige der Herr der Ringe Szenen von Rohan gedreht – zum Pukaki See. Die drei Seen, Lake Ohao, Lake Pukaki und Lake Tekapo, sind Teil eines großen Projekts zur Energiegewinnung aus Wasserkraft. Sie wurden über zwei große Kanäle verbunden und bilden nun zusammen quasi einen gigantische Speichersee welcher rund 50% der, in Form von Wasser verfügbaren Speicherkapazität für Energie in Neuseeland stellt. Ich muss sagen es sieht schon sehr schräg aus, wenn man einem schnurgeraden, von Menschen geschaffenen Kanal, gefüllt mit quasi künstlich türkisem Wasser, durch die Landschaft Neuseelands folgt … Vor allem Lake Pukaki und der im Nachbartal gelegene Lake Tekapo sind hauptsächlich aus den anliegenden Gletschern gespeist und haben eine fast schon unwirklich türkise Farbe. Leider kann man das ohne Sonne nicht wirklich sehen … Wir schlagen unser Lager für die Nacht am Ufer des Lake Pukaki auf. Hier gibt es mal wieder einen DOC Campingplatz direkt am See 🙂 Der Ausblick über den See in Richtung Mount Cook, dem mit 3.724 Metern höchsten Berg Neuseelands, ist einfach gigantisch und so beschließen wir ihm am nächsten Tag einen Besuch abzustatten.

Tag 21: Mount Cook und Tekapo

Der Morgen begrüßt uns zunächst wie üblich mit einer dicken Wolkendecke, aber davon lassen wir uns ja schon länger nicht mehr abschrecken und so brechen wir auf. Wir folgen dem Ufer von Lake Pukaki nach Norden Richtung Mount Cook. Wie so oft kämpft sich im Laufe des Vormittags die Sonne immer wieder durch und lässt den See türkis leuchten. Dazu noch das Panorama der Südlichen Alpen am Horizont … wiedermal ein wunderschönes Fleckchen Erde!

Der See geht an dem zu Mount Cook gewandten Ende in ein breites Flussbett über welches sich durch ein weites, flaches Tal windet. Wie ihr vielleicht schon gesehen habt rückt Mount Cook näher und näher, allerdings ziehen, je näher wir kommen auch immr mehr Wolken auf … Als wir letztendlich ankommen stehen wir vor einer in Wolken gehüllten Felswand. Eigentlich wollten wir hier ein Stückchen zum Hooker Lake wandern, welcher wirklich am Fuße von Mount Cook liegt, allerdings kommt genau aus diesem Tal eine Regenfront auf uns zu und so treten wir den Rückzug an. Wir wenden uns dem Nachbartal zu um noch einen Blick auf einen den Tasman Gletscher zu erhaschen. Mit einer Länge von ca 23 km ist er immer noch der längste Gletscher Neuseelands, allerdings hat er sich mittlerweile weit in das Tal zurück gezogen. Während er im gesamten 20. Jahrhundert quasi unverändert 28 km lang war hat er zwischen 2000 und 2008 allein ca. 3,7 km an Länge eingebüßt. Seine Moräne staut das Schmelzwasser auf und so hat sich hier der Tasman Lake gebildet.

Auf dem Weg zurück zum südlichen Ende von Lake Pukaki werden wir von der Regenwand verfolgt und so flüchten wir ins nächste Nachbartal zu Lake Tekapo. Ich will mich ja nicht zu sehr über die Wolken beschweren, sie geben eine wunderbar dramatische Stimmung ab! An Lake Tekapo besuchen wir die Kirche des guten Hirten, die wahrscheinlich meist fotografierte Kirche Neuseelands. Dementsprechend geht es hier auch zu … Immer wieder kommt eine ganze Busladung asiatischer Touristen an und knipst wie wild Selfies. Ich muss gestehen ich bin das gerade nicht mehr gewohnt und finde es etwas anstregend xD Die Kirche hat anstelle eines Altars ein Fenster welches das wunderschöne Panorama des Lake Tekapo einrahmt. Leider sind in der Kirche keine Bilder erlaubt …

Tekapo hat irgendwie seine ganz eigene Magie … Wir sitzen noch lange am Ufer des Sees und sehen dem Spiel der Wolken zu, beobachten wie die Strahlen der tief stehenden Sonne den See zum Leuchten bringen und die Schatten der Wolken über die Hänge huschen. Irgendwann müssen wir dann aber doch mal wieder aufbrechen … mittlerweile ist es schon später Nachmittag und wir haben effektiv gerade mal 45 km in Richtung Christchurch zurück gelegt und sollten noch ein bisschen mehr Strecke hinter uns bringen bevor es dunkel wird. Wir finden einen kostenlosen Campingplatz am Ufer von Lake Opuha in ca 50 km Entfernung und machen uns auf den Weg. Man merkt, dass die Südinsel Neuseelands an der Ostküste deutlich dichter besiedelt ist als an der wesentlich regnerischeren Westküste. Überall sind kleine Ortschaften mit ein paar hundert Einwohnern und nicht nur einzelne Bauernhöfe. Wir erreichen Lake Opuha spät am Abend als die Sonne gerade hinter den Bergen verschwunden ist und parken Baymax auf einem freien Stückchen Wiese. Unsere letzte Nacht in der Wildnis. Am nächsten Abend wollen wir bereits in Christchurch sein.

Tag 22: Christchurch … oder doch nicht?

Früh sind wir wieder auf der Straße, die Sonne geht gerade erst auf als wir Lake Opuha hinter uns lassen. Die Schafe stehen noch zusammengekuschelt in einer Ecke ihrer Gattern. Die ganze Umgebung liegt unter einer dicken Wolkendecke und dazu kommt noch Rauch … Scheinbar wurden hier in der Gegend irgendwas im großen Stil verbrannt. Wir versuchen so schnell wie möglich aus dieser Dunstglocke raus zu kommen. Christchurch ist nur noch weniger als 200 km entfernt! Am Abend zuvor haben wir noch darüber diskutiert einen Abstecher nach Süden zu machen und den Gedanken dann aber fallen gelassen, jetzt müssen wir um 10 Uhr Vormittags feststellen, dass wir die Außenbezirke von Christchurch erreicht haben. Äh … So früh wollten wir dann doch nicht hier sein … Ein kurzer Blick in die Karte und wir drehen ab nach Westen. Wir wollen nochmal Berge sehen und nochmal einen Pass fahren! Arthurs Pass soll es werden. Auf dem Weg dorthin liegt übrigens Springfield, falls das jemand von euch suchen sollte 😉 Etwas weiter in den Bergen stoßen wir auf Castle Hill, eine Ansammlung von zum teil riesigen massiven Kalksteinblöcken welche an eine stark verwitterte Festungsanlage denken lassen. Den Spaß darin rum zu klettern lassen wir uns natürlich nicht nehmen!

Kurz hinter Castle Hill liegt das Cave Stream Scenic Reserve wo einer dieser kleinen Walks in einer Stunde zu und sogar durch eine Höhle führt. Nur zu gerne hätten wir das auch gemacht, allerdings führt die Höhle Wasser und es ist nicht unüblich dort in absoluter Dunkelheit durch ca 1 m hohes Wasser waten muss. Da wir keine entsprechende Ausrüstung haben und auch keine Chance sehen unsere Kleidung rechtzeitig für den Flieger wieder zu trocknen ziehen wir unverrichteter Dinge weiter. Nach einem kurzen Mittagessen erreichen wir am frühen Nachmittag die Ortschaft Arthurs Pass. Ehrlich gesagt hab ich mir die Landschaft hier spektakulärer vorgestellt, aber vermutlich liegt das auch daran, dass wir die letzten drei Wochen schon so viel von dieser wunderschönen Insel gesehen haben, dass wir quasi abgestumpft sind 😀 Eine kleine Wanderung führt uns ca 150 m über den Talboden zu einem Wasserfall welcher sich aus gut 130 m in die Tiefe stürzt und dort – angeblich, denn man kann leider nicht mehr hin – ein großes Becken aus dem Fels geschliffen hat.

Dies markiert jetzt allerdings auch das Ende unseres Abstechers und wir machen uns auf den Weg zurück nach Christchurch. Das Wetter wird auch immer ekliger und an einem ziemlich ausgesetzten Punkt dieser Passstraße ist mittlerweile so dichter Nebel aufgezogen, dass man gerade mal vielleicht 30 m weit sehen kann. Als wir gegen 19 Uhr in Christchurch ankommen setzt dann letztendlich auch wieder Regen ein. Wir haben auf dem Weg schon einen Tisch in einem Steakhouse und einen Platz in einem Campingplatz im Zentrum reserviert und lassen den Abend ruhig ausklingen. Die letzte Nacht in Baymax, morgen müssen wir ihn zurückgeben …

Tag 23: Nie findet man einen Parkplatz …

Der letzte Tag. Es regnet. Unserer Statistik zu Folge regnet es immer in Christchurch – wenn wir da sind zumindest. Wir packen unsere Koffer, leeren nochmal die Brauchwassertanks von Baymax und füllen das Frischwasser ein letztes Mal auf bevor wir den Campingplatz gegen 10 Uhr verlassen. Unser Plan für heute ist noch ein paar Sachen in Christchurch zu besichtigen und ein paar letzte Einkäufe zu tätigen. Wir besuchen noch einmal Tank, einen Laden frisch gepresste Säfte verkauft, besuchen das Quake Museum in welchem der Ablauf und Hintergründe des verheerenden Erdbebens in 2011 erläutert werden und begeben uns auf die Suche nach dem ein oder anderen Mitbringsel. Gar nicht so einfach, denn diese Stadt ist definitiv nicht auf so große Camper ausgelegt … Die Parkplatzsuche ist ein wenig frustrierend und kostet deutlich mehr Zeit als uns lieb ist. Nach einem letzten, späten Mittagessen auf einem Parkplatz eines Shopping Centers geht es noch kurz zum Tanken bevor wir Baymax lebewohl sagen müssen. Ein Shuttle bringt uns zum Flughafen und kurz darauf sind wir auch schon an Bord unseres Flugs nach Auckland. In Auckland müssen wir noch einmal umsteigen bevor wir gut 12 Stunden später in Shanghai landen werden. Der zweite Flieger ist eine nagelneue Boing und wartet mit ungeahntem Komfort in der Economy Class auf. Man kann die Sitzfläche so ausklappen, dass der gesamte Fußraum abgedeckt ist und man in einer Reihe von drei Sitzen eine Fläche zur Verfügung hat auf dem zumindest eine Erwachsener ordentlich schlafen kann! Gerade für junge Familien mit einem kleinen Kind echt eine super Option!

Was wir leider nicht mehr geschafft haben …

  • Mehr Wandern
    Die vom DOC gepflegten Wanderwege sind echt super! Wenn ich wiedermal nach Neuseeland komme werde ich auf jeden Fall mehr dieser Wanderungen einplanen! Die waren mit das Beste was wir in Neuseeland gemacht haben und leider haben wir viel zu wenig davon gemacht.
  • Doubtfull Sound
    Man kann nicht nur eine Rundfahrt im Milford Sound machen sondern auch in dem weniger touristischen Doubtfull Sound. Allerdings kostet einen das mindestens einen ganzen Tag welchen wir zu dem Zeitpunkt leider nicht mehr hatten.
  • Stewart Island
    Stewart Island ist eine Insel ganz im Süden von Neuseeland. Die ganze Insel ist ein Naturschutzgebiet und muss wunderschön und ursprünglich sein.
  • Der Süden
    Der südlichste Punkt unserer Reise war Mossburn auf dem Weg nach Te Anau. Allerdings ist das noch gut 80 km von der südlichen Küste entfernt und zwei „große“ Städte Invercargill und Dunedin befinden sich dort. Gerade Dunedin soll echt schön sein.
  • Herr der Ringe Filmsets:
    Gerade im Süden in der Nähe von Te Anau liegen noch einige Filmsets der Trilogie …
  • Moeraki Boulders
    Eine Ansammlung an fast runden Felsblöcken an Meer die zum Teil gespalten, zum Teil unversehrt sind. Googelt sie einfach mal, ihr werdet sehen warum ich da gerne hin gefahren wäre 😀
  • Kaikoura
    Kaikoura liegt in dem Gebiet welches durch das Erdbeben Anfang des Jahres schwer getroffen wurde. Dort gab (oder gibt … muss man wohl noch abwarten) es einen Wasserfall an dessen Fuße eine Art Kinderstube für Robbenbabys liegt.
  • Able Tasman National Park
    Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten … Der Able Tasman National Park lädt dazu ein ihn auf mehrere Tage mit dem Kayak und wandernd zu erkunden. Hätte ich sehr gerne gemacht, aber dann hätten wir einiges im Süden nicht mehr sehen können …

Outtakes

Nachdem ja immer gemeckert wird, dass ich zu selten auf den Bildern bin hier ein paar Outtakes die Becky gemacht hat 🙂

2 Gedanken zu “Neuseeland Part 5

  1. Vielen Dank für den tollen Reisebericht. Bitte schreibe aber auch nochmal so viel über dein tägliches Leben in Shanghai. Z.B. könntest Du mal Deine Wohnung zeigen? Warum ist es so schwer neue Kleidung in China zu bekommen inkl. Fotobeweis? Wo gehst Du jeden Tag essen? Kannst Du inzwischen Chinesisch?

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  2. Endlich habe ich mir die Zeit genommen, deinen Reisebericht zu lesen. Hat viel Spaß gemacht! Ich würde am liebsten gleich losfahren. Danke für deine Mühe, das alles aufzuschreiben und die tollen Bilder.
    Ansonsten muss ich Chris recht geben : Erzählungen und Bilder aus Shanghai fände ich auch sehr spannend 😊.

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