Chinese New Year

Wie manchen von euch vielleicht bekannt ist gibt es in China zwei Kalender. Den Gregorianischen Kalender, welchem wir auch folgen und einem Mondkalender. Während der erste seinen Jahreswechsel bekannterweise am 31.12. / 01.01. hat der Mondkalender kein festes Datum im Gregorianischen Kalender. Es ist die Neumondnacht in der Mitte zwischen Midwinter (dem Tag mit der längsten Nacht des Jahres) und der Frühjahrstagundnachtgleiche (welch schönes deutsches Wort xD). Dieses Jahr fiel der Jahreswechsel damit auf den 28.01. / 29.01. was relativ früh ist. Chinese New Year ist in China das was für den westlichen Kulturkreis Weihnachten ist. Man fährt heim zu seiner Familie und verbringt ein paar Tage zusammen in mehr oder minder besinnlicher Gefräßigkeit, löchert Kinder mit Fragen zu ihrer Zukunft, tauscht möglichst gleichwertige Geschenke aus … ihr wisst schon 😉 Es gibt allerdings ein paar nicht ganz unbedeutende Unterschiede. Zum einen ist hier nix mit „stiller Nacht“, stattdessen wird geböllert ohne Ende! Und zwar nicht schönes Feuerwerk sondern es geht hauptsächlich darum, dass es möglichst viel Krach macht. Zum anderen überspringt man hier das mit den Geschenke kaufen sondern schenkt einfach gleich direkt Geld in einem roten Umschlag, dem 红包 (Hóngbão). Wenn ihr euch etwas mehr über die Gepflogenheiten des Hóngbão verschenkens informieren möchtet dann kann ich euch den folgenden, englischen Artikel sehr empfehlen: http://www.smartshanghai.com/articles/community/faq-the-cny-hongbao

Aber bevor es soweit ist muss man erstmal nachhause kommen! Die Reise an sich ist schon ein Erlebnis, immerhin sind zu dieser Zeit Millionen von Menschen auf Wanderschaft. Das ist mit ziemlicher Sicherheit die größte regelmäßige Völkerwanderung der Welt. Die Bahn stellt zusätzliche Züge zur Verfügung, an den Ticketschaltern stehen Menschentrauben, gefühlt ist das ganze Land auf den Beinen. Ein paar gute Eindrücke davon wie das aussieht:

Diese Bilder stammen nicht von mir, da ich zum Glück bereits einige Tage früher aufgebrochen bin um diesem Ansturm zu entgehen. Ich habe sie aus diesem Artikel entnommen. Ein Blick lohnt sich, der Artikel enthält noch einige weitere sehenswerte Bilder 🙂  Möchte man dem entgehen könnte man auf die Idee kommen mit dem Auto zu fahren, vor allem, da die sonst Mautpflichtigen Autobahnen sind in der Zeit um Chinese New Year kostenlos sind. Ist auch nicht besser, denn führt zu einem massiv erhöhten Verkehrsaufkommen mit Kilometerlangen Staus. Die Mautstationen werden zwar einfach komplett geöffnet, allerdings hilft das wenig wenn aus einer 5 spurigen Autobahn plötzlich 10-20 werden die sich dann hinterher wieder auf 5 verengen. Wer mag kann sich das in diesem Artikel von dailymail ansehen. Die dritte Option ist Fliegen. Hier spielt vor allem der Preis und die Verfügbarkeit der Tickets eine Rolle, aber generell würde ich behaupten, dass das die angenehmste Variante ist.

Ich wurde dieses Jahr von meiner Freundin mit auf die Reise in ihre Heimatstadt genommen und konnte alle drei Varianten selbst ausprobieren. Da wir allerdings eine halbe Woche vor den eigentlichen Feiertagen aufgebrochen sind hielt sich das Chaos in Grenzen und ich konnte leider keine eigenen Bilder schießen. Ist wahrscheinlich auch besser so, denn so sind wir ohne Probleme binnen eines Tages in Linyi angekommen. Die Tage vor den eigentlichen Feiertagen sind Markttage. Hier deckt man sich nochmal mit Lebensmitteln für die bevorstehenden Tage feierlicher Gefräßigkeit ein, kauft Feuerwerk und Opfergaben für die Ahnen, vielleicht noch einen größeren Topf und lässt sich gleich noch den passenden Deckel dafür dengeln. Falls auf dem anstrengenden Weg nachhause die Schuhe gelitten haben hat man hier Gelegenheit sie ausbessern zu lassen, wenn der Friseur ausgebucht war kann einem auch geholfen werden. Der Markt war echt faszinierend! Von Metzger, Bäcker oder Fischverkäufer bis zu Friseur und Spielwarenhändler ist alles vorhanden. Alles wird offen auf der Straße verkauft, meist direkt von der Pritsche eines drei- oder vierrädrigen Transportfahrzeugs.

Die folgenden Tage waren geprägt von langen Besuchen bei den Großeltern, großartigem, authentischem Essen, Frieren und Feuerwerk 😀 Frieren deshalb, da es in dem Ort keine beheizten Häuser gibt. Es wird mit Kohleöfen geheizt welche relativ wenig Wärme an die Umgebung abgeben. Das Essen war super. Von kleine Snacks wie frittierter Lotus oder Fleischbällchen welche der Opa zubereitet, über gebratenes Hähnchen (am Vorabend geschlachtet) mit scharfen Paprika zu den, für Spring Festival / Chinese New Year essentiellen Dumplings (gefüllte Teigtaschen welche in Deutschland wahrscheinlich am ehesten unter Wantan / Wonton bekannt sind), gefüllt unter anderem mit selbst gesammelten Hirtenäschel, bei welchen ich auch selbst mithelfen konnte war einfach alles richtig lecker und super frisch!

 

 

2 Gedanken zu “Chinese New Year

Hinterlasse eine Antwort zu lophornia Antwort abbrechen