So … Einige von euch mögen sich vielleicht über die plötzliche Funktstille gewundert haben … kurz gesagt, mit veröffentlichen des letzten Posts vom Flughafen aus war ich mal wieder im Urlaub. Drei Wochen Roadtrip in Neuseeland standen an! Danach war ich erst einmal überfordert … über 3.500 Bilder sind in meine Festplatte gewandert. Die wollen natürlich gesichtet, aussortiert und fertig gemacht werden. Nachdem ich relativ bald gemerkt habe, dass das etwas länger dauern könnte und der Post dann wahrscheinlich auch jegliche Dimensionen sprengen würde hab ich mich dazu entschlossen, den Urlaub in mehrere Posts aufzuteilen. Eine Trilogie bietet sich irgendwie an aber mal sehen …
Tag 1 & 2: Los geht’s!
Der Flieger geht Samstagabend um 19:45 über Guangzhou, dem Hub der China Southern, weiter nach Christchurch. Man sollte meinen, von Shanghai aus wäre es nicht mehr so weit nach Neuseeland, doch sucht man nach Flügen wird man schnell eines Besseren belehrt. Ankunftszeit ist 17:10, am darauffolgenden Tag. Das macht, abzüglich der Zeitdifferenz eine Reisezeit von ca 16 Stunden. Der Flug ab Guangzhou ist quasi ausgebucht, dank eines netten Herren, welcher uns ungefragt seinen Fensterplatz anbot, hatten wir dennoch drei Sitze für uns – Luxus! Entsprechend kamen wir weniger zerknautscht an als gedacht 🙂 Christchurch empfängt uns wie erwartet: mit leichtem Nieselregen. Egal, wir wollen nur schnell zu unserer AirBnB Unterkunft, duschen, essen und schlafen.
Tag 3: Der ist aber groß! – Ist ja alles links hier …
Beim Frühstück hatte ich dann doch noch dieses viel gerühmte AirBnB Erlebnis. Catherine war ein super Host, das Frühstück Hammer und hat den Grundstein gelegt für eines der besten Erlebnisse in Neuseeland, doch davon später. Jetzt ging es erstmal darum unseren Camper abzuholen. Man hat zwar die Dimensionen beim buchen mal gelesen aber … In Realität ist das dann doch irgendwie eindrucksvoller. Über drei Meter hoch und ganze sieben Meter lang entsprechen die Ausmaße eher einem kleineren LKW denn denen eines Sprinters. Doch während der Abnahme tropfte Wasser auf den Herd … Es regnete übrigens immer noch wie ihr vermutlich schon geschlussfolgert habt. Also die Jungs zum Reparieren geschickt und wir sind derweil groß Einkaufen gegangen. Am frühen Nachmittag konnten wir dann, gestärkt von einem Subway Sandwich, endlich auspacken und aufbrechen. Wieder einmal auf der linken Straßenseite, kennen wir ja schon aus Thailand. Zunächst rein in das Zentrum von Christchurch um ein wenig die Stadt zu besichtigen. Leichter gesagt als getan, vor allem die Parkplatzsuche wird durch Dimensionen unseres Campers zur Qual. Christchurch selbst ist von Folgen des schweren Erdbebens im Jahre 2011 gezeichnet. So sind gerade im Zentrum immer noch Ruinen und Baulücken zu sehen, große Einkaufszentren sind gesperrt und werden aufwendig saniert und viele, nur halb ausgelastete Neubauten prägen das Stadtbild. Als bezeichnet für das Mindset der Bewohner Christchurchs kann die Re:Start Mall gesehen werden. In Schiffscontainern entstand nur Monate nach dem schweren Erdbeben Raum für vielerlei Läden, Cafés und Boutiquen. Eigentlich ist das seit einigen Jahren bereits nicht mehr notwendig aber Christchurch hat seine Container lieb gewonnen und so wurden sie 2013 nicht wieder eingepackt sondern stehen heute noch. Doch genug von der „Großstadt“, der eigentliche Inhalt dieses Urlaubs ist ein anderer: die wunderschöne Natur und Landschaft Neuseelands. Also zum ersten mal raus aus der Stadt, nach Osten zur Banks Peninsula vor den Toren Christchurchs. Regen und tief hängende Wolken beeinträchtigten die Sicht zwar erheblich, ab und an lies sich aber dann doch ein bisschen türkises Wasser blicken. Kurz nach Sonnenuntergang erreichten wir schließlich Akaroa, eine ehemalige französische Siedlung, tief in einem Meeresarm der zerklüfteten Halbinsel versteckt. Für die Suche nach einem schönen Platz für die Nacht war kein Licht mehr und so verbrachten wir die erste Nacht in unserem Camper unrühmlich auf einem Parkplatz hinter trocken gelegten Booten am Pier.
Tag 4: Akaroa nach Christchurch – Etwas durch den Wind
Nach einem gemütlichen Frühstück hat der starke Wind es endlich geschafft den Regen zu vertreiben. Zeit Akaroa erkunden zu gehen. Eher ein Dorf denn eine Stadt liegt es langgestreckt an der Küste eines Meeresarms. Die Lage und Umgebung macht es zu einem beliebten Ausflugsziel von Neuseeländern und Touristen gleichermaßen und zur Hauptsaison kann es da schon recht eng werden, vor allem, da die Bucht auch von großen Kreuzfahrtschiffen angelaufen werden kann. Heute ist davon jedoch nicht viel zu spüren. Weiter geht’s über die Summit Road auf dem Rücken der bergigen Halbinsel zurück Richtung Christchurch. Der Wind hat ganze Arbeit geleistet und mit jeder Kurve und jedem Meter an Höhe eröffnen sich neue Ausblicke und überall das türkise Wasser der Buchten, welches im Sonnenlicht schon fast künstlich leuchtet. Die Haken an der Sache ist allerdings, dass so ein Camper dem Wind viel Angriffsfläche bietet, gerade auf einer ausgesetzten schmalen Straße auf einem Hügelkamm. Ich fahr ja gerne mal in Schräglage, aber mit einem solch großen Gefährt ist das irgendwie deutlich weniger spaßig als ich das in Erinnerung hatte. Am frühen Abend lassen wir Banks Peninsula hinter uns und schlagen einen Bogen um Christchurch. Wir steuern einen Campingplatz auf einer anderen Halbinsel an, welche den Hafen von Christchurch vom offenen Meer abschirmt. Der Campingplatz selbst ist schön, von hohen Bäumen umgeben und großzügig, es gibt saubere Duschen, was will man mehr 🙂
Tag 5: Von Sand zu Fels
Ursprünglich wollten wir ja am Abend noch an den Strand aber irgendwie war es dann doch früher dunkel als erwartet und einen direkten Zugang vom Campingplatz aus war nicht mehr zu finden, aber das lässt sich ja nachholen! Der Regen hat sich zum Glück endgültig verzogen und wir können unsere Campinggarnitur endlich einweihen 🙂 Aber jetzt auf zum Strand! Keine fünf Minuten auf der Straße können wir auch schon wieder links ran fahren, eine Holztreppe führt über die Dünen an einen Strand wie er auch die Nordsee säumen könnte. Weicher, feiner Sand, grasbewachsene Dünen und einfach nur Kilometer lang. Urlaubsstimmung hält endlich Einzug 🙂 Ein paar Kilometer weiter nördlich bietet sich eine weitere Gelegenheit. Irgendjemand muss wohl die alte Couch mühsam auf die Düne hochgewuchtet haben … Ich will gar nicht wissen, wie anstrengend das gewesen sein muss, immerhin sind das gut 5 Meter Höhenunterschied, der Hang ist steil und der Sand gibt unter jedem Schritt nach, aber ich an dieser Stelle sei gesagt: Ich bin sehr dankbar! Und als wäre ein Sofa auf einer Düne nicht schon skurril genug kommt auch noch ein ziemlich cooler älterer Herr kitesurfenderweise den Strand hochgefahren 😀 Aber genug getrödelt, weiter geht’s entlang des Highway 1 Richtung Norden. Eigentlich würden wir dem ja gerne bis Picton folgen, allerdings hat ein Erdbeben im November 2016 weite Abschnitte davon unter stellenweise bis zu 400m hohem Geröll begraben, so das uns dieser Weg verwehrt bleibt. Schade eigentlich, denn bei Kaikoura soll es einen Wasserfall geben in dessen Becken Babyrobben ihren Kindergarten haben … Schweren Herzens biegen wir also auf den Highway 7 ab und verlassen die Küste. Farmland umgibt uns und uns wird so langsam aber sicher bewusst, warum es heißt, dass es auf der Südinsel mehr Schafe als Menschen geben soll. Auf sanfte Hügel und Grasland folgen bald die ersten Ausläufer des zentralen Bergmassivs und so dauert es nicht lange bis der Highway links und rechts von gewaltigen Bergreihen flankiert wird. Etwa auf halbem Weg im Pass wird mir schmerzlich bewusst, dass Distanzen in Neuseeland doch trügerisch sind … Es dämmert merklich, der Tank leert sich zusehens und wir sind noch nicht mal halb so weit gekommen wie wir eigentlich wollten. Zum Glück gibt es die kleine Siedlung Springs Junction an einer Kreuzung zweier Highways irgendwo im Nirgendwo und wir können zumindest tanken. Da uns ohne Bargeld hier allerdings der DOC Campground verwehrt bleibt ergreifen wir die Flucht nach vorn in der Hoffnung eine geeignete Parkfläche für die Nacht zu finden. Gegen 21 Uhr in absoluter Finsternis geben wir schließlich auf und parken auf einem kleinen Parkplatz direkt am Highway. Es dauert nicht lange bis wir realisieren wie klar diese Nacht hier fern ab jeder Zivilisation ist. Die Milchstraße zeichnet sich deutlich ab und auch zwei weiter Galaxien sind zu erkennen. Also Stativ geschultert und raus in die Dunkelheit! Ich wollte schon immer mal die Milchstraße fotografieren und wo sonst bietet sich eine solche Gelegenheit? Was sagt ihr zu meinem ersten Versuch?
Tag 6: Nelson Lakes
Nach einer etwas unruhigen Nacht, die LKWs fuhren die ganze Nacht über, brechen wir früh auf, schließlich sollten wir heute bei dem ersten großen Ziel unserer Neuseeland Rundreise zu kommen, den Nelson Lakes! Doch zunächst einmal stehen wir im Nebel. Dicht und dickt liegt in dem Tal und das obwohl die Sonne bereits vor gut zwei Stunde aufgegangen ist. Wir folgen weiterhin einem Flusslauf welcher sich tief in die Landschaft eingegraben hat bis unser Highway sich mit einem weiteren kreuzt. Hier treffen wir das erst mal auf den Buller, einen mächtigen Fluss, welcher uns von nun an immer wieder begleiten wird. An dessen Ufern liegt Murchison, ein kleiner, sehr amerikanisch wirkender Ort in welchem wir eigentlich eine kleine Mittagspause machen und Bargeld tanken wollten – man lernt schließlich aus seinen Fehlern der letzten Nacht. Lustigerweise akzeptiert kein Geldautomat in Murchison Visa Karten … Also weiter Richtung Norden! Der erste See den wir erreichen ist Rotoroa. Klar und ruhig erstreckt er sich zwischen zwei dicht bewaldeten Hügelketten, ein großartiger Anblick aber irgendwie nicht der den ich aus meiner Vorbereitung heraus erwartet hatte. Während ein älteres Paar beschließt die Wassertemperatur auf die harte Tour zu testen beschließen wir schnell weiter zu ziehen. Zu hartnäckig ist die Plage Neuseelands auf unseren Fersen … Die berühmt berüchtigten Sandfliegen der Westküste kleben regelrecht an uns. Bleibt man nur eine Minute stehen wird man regelrecht umschwärmt und so ergreifen wir die Flucht zum zweiten der Nelson Lakes: Lake Rotoiti. Echt erstaunlich wie sehr sich die beiden ähneln. Allerdings gibt es hier deutlich weniger Sandfliegen und die Aussicht ist noch ein bisschen spektakulärer! Ein riesiger Kiesplatz direkt am Ufer gibt uns die Möglichkeit direkt am See zu parken und wir beschließen die Nacht über hier zu bleiben um Sonnenuntergang, Sternenhimmel und Sonnenaufgang in dieser Szenerie genießen zu können.
Tag 7: Autsch – Fanboy
Nebel wabert über dem See und die Sonne fängt gerade an die Hänge in ein goldenes Licht zu tauchen als wir je zurück in die Realität geholt werden. Ein Ranger erklärt uns freundlich aber bestimmt, dass Campen hier verboten sei und überreicht uns bedauernd einen Strafzettel über 200$ bevor er uns noch einen schönen Tag wünscht. Autsch … Das war eine teuere Nacht. Immerhin sind wir nicht die Einzigen, mit uns stehen hier um die 10 Camper und Campervans. Nachdem wir uns gestärkt und unsere Schuld beglichen haben geht’s weiter Richtung Nelson. Seit gestern klemmt die hintere Eingangstüre und nach kurzer Rücksprache mit dem Besitzer haben wir heute ein Date mit einer Werkstatt um das beheben zu lassen. Ohne jegliche Formalitäten bekommen wir einen alten Mazda als Ersatzwagen gestellt und den Weg zur nächsten Shopping Mall beschrieben um uns die Zeit zu vertreiben und keine zwei Stunden später sind wir auch schon wieder auf dem Weg in die Innenstadt von Nelson. Nein, ich habe aus meiner Christchurch-Erfahrung nicht gelernt … Aber Nelson hat zum Glück größere Parkplätze und weniger Autos 😉 Warum wir in die Innenstadt Nelsons fahren? Nelson ist die Heimatstadt des Ringschmieds. Nie drüber nachgedacht oder? Ich bin auch nur durch Zufall darauf gestoßen, aber hier in Nelson ist der Goldschmied, welcher die Ringe für die Herr der Ringe Trilogie geschmiedet hat. Die originalen Ringe. Außerdem fertigen sie laut ihrer Website moderne Interpretationen typisch neuseeländischer Jade-Amulette. Die Dame im Verkaufsraum war, typisch Neuseeländer, mal wieder super nett und freundlich. Wo wir her kommen, was wir noch so vorhaben usw. und brachte dann selbst das Thema auf Herr der Ringe und verschwindet anschließend kurz in der Werkstatt nur um kurz darauf mit einem gigantischen Exemplar des Einen Ringes wieder aufzutauchen. Ihrer Erklärung zur Folge wurde ein solcher Ring zum Filmen der Nahaufnahmen verwendet. Gut und gerne 20 cm im Durchmesser hat er ein beeindruckendes Gewicht. Leider fertigen sie keinen Jadeschmuck mehr aber sie kann uns an Takaka weiter verweisen, einen Ort der bereits auf unserer Reiseroute lag, und so machen wir uns auf den Weg zur Nordwestlichen Spitze der Südinsel. Laut Navi sind es nur ca. 100 km von Nelson nach Takaka. Was das Navi jedoch verschweigt ist, dass sich dazwischen ein steiler hoher Bergkamm erhebt an dessen Seite eine schmale, stellenweise einspurige Straße geklebt ist neben welcher es stellenweise so steil und weit hinunter geht, dass man besser nicht guckt. Nachdem diese Straße die einzige Verbindungsstrecke in die äußersten Nordwesten darstellt wird sie zudem noch von LKWs befahren. Mit anderen Worten: SPAAAAß xD Aber es sollte sich lohnen … Während es auf der Nelson Seite Grau in Grau war erwartete uns auf der anderen Seite blauer Himmel, Sonnenschein und ein Blick über die gesamte Golden Bay. Takaka selbst ist ein kleiner Ort der sich mehr oder weniger entlang von zwei Straßen erstreckt, welche in einem ~30° Winkel von einander weg laufen. Hier scheint die Zeit iwann in den 60ern stehengeblieben zu sein und später haben sich dann wohl aktuelle Bio-/Vegan- und Palio Bewegungen dazugesellt. Viele kleine Künstlerläden, der Stadtmarkt am Sonntag bietet neben kunstvollem Schmuck aus Muscheln und Holz und Bio Gemüse auch die Gelegenheit sich Rastas machen zu lassen. Der Supermarkt bietet die größte Auswahl an Glutenfreien veganen XYZ die ich je gesehen habe und sogut wie jedes Restaurant bietet zig leckere Möglichkeiten sich fleischlos zu ernähren. Aber alles mit der wohl wirklich typisch Neuseeländischen Gelassenheit ohne je aufdringlich zu sein. Eine sehr interessante und angenehme Atmosphäre. Nach einer leckeren Pizza in der „Dangerous Kitchen“ steuern wir den kleinen Campingplatz im Ort an und freuen uns erstmal auf Dusche und Bett. Oh und unser Camper hatte sich mit der Passstraße seinen eigenen Namen verdient. Von nun an läuft er unter Baymax 😉
Ich hoffe das war jetzt nicht zu viel Text … Lasst mich wissen wenn das zu viel für einen Post war 🙂
Nein, es war nicht zu viel Text. Aber da fehlt doch noch was, oder? Vielen Dank für die Eindrücke! Das hat Spaß gemacht.
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Auch für mich war es nicht zu viel Text. Ich habe Eure Reiseeindrücke sehr gern gelesen.
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Der Sternenhimmel sieht bombastisch aus! 😍🌌
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Nein, nicht zu viel. Sehr schöner Text – die Bilder gucke ich dann daheim am PC.
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Hallo Tobias, also das ist ja megaaaaaa 👍 wirklich toll!! Danke für diese tolle Reportage , geniale Bilder und es ist schön zu sehen, dass es Dir und Deiner Freundin gut geht. Liebe Grüße, Manuela und Dieter
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Super Bilder, interressanter Text – macht Lust auf mehr. Wir freuen uns schon auf die Fortsetzung.
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